Dienstag, 17. Mai 2011

Der schwarze Montag Nr. 2 - Ein Nachbarsanruf - Die Rausreißer 2 - Sprichwörtliche Erfindungen - Übersicht über die bisher aufgetretenen Handwerker


Der schwarze Montag Nr. 2

Nicht dass der Leser denkt, damit wäre mein Montag ja erfolgreicher verlaufen als der seinige. Dem war nicht so.

Überprotektive Nachbarn

Um 11 Uhr bekomme ich einen Anruf von Nachbarn des neuen Hauses. Sie drohen mit einer Anzeige, "wenn das so weiter geht". Weiter geht, was, wie? Die Rausreiß-Handwerker werfen alles aus dem Dachfenster nach draußen. Unten steht zwar jemand, aber der steht da nicht immer, sondern hat sich dort hingesetzt, wo es nicht so staubt, um gemütlicher seinen Kaffee trinken und eine Zigarette rauchen zu können. Also fallen seit einer halben Stunde aus dem zweiten Stock ungesichert Bauteile hinunter. Bisher - so die Nachbarn - haben sie weder parkende noch vorbeifahrende Autos noch Passanten getroffen, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Es staubt so, berichten sie mir telefonisch, dass es auch sein könne, dass es dort oben brennt. Ich bin alarmiert und verspreche sofortiges Kommen. Ich habe an und für sich zu tun, irgendwie muss ja das Geld verdient werden, das ich den Handwerkern in den Rachen werfe …

Einstürzende Rauchwolken

Aber Prioritäten müssen gesetzt werden, ich schwinge mich aufs Fahrrad und bin drei Minuten später am neuen Haus, vor dem sich ein Berg Bauschutt aufzuhäufen beginnt, ein wenig liegt auf dem Grundstück des Hauses, ein wenig in der Einfahrt der Nachbarn, ein wenig davon auf dem Bürgersteig, ein Wunder, dass noch nichts Gravierendes passiert ist. Ich höre durchs offene Dachfenster fröhlich-derbe Handwerkerstimmen, die sich offenbar Balken und so weiter zuwerfen. Aus dem Fenster werden immer wieder einmal Holzteile, Dachpfannen und Steine geworfen, bunt gemischt mit Mörtel, Leisten, Fliesen, … Und alles umhüllt (deswegen weiß man auch zuerst nicht genau, was dort von oben herunterfällt) in einer dichten Rauchwolke. 

Ich bin jetzt wirklich ernstlich alarmiert. Drinnen im Hausflur empfängt mich eine ebensolche Rauchwolke, das heißt: eigentlich ist der Flur kaum erkennbar, es gibt keine Luft sondern nur Rauch. Haben die dort oben alles angezündet, damit sie weniger rausreißen müssen?

Ich kämpfe mich nach oben, reiße derweil die Flurfenster auf. Schreie leicht panisch in das fröhliche Handwerkergeschrei, das sich durch die Rauchwolken hindurch nach unten wellt, hinein - haben die gar nicht mitbekommen, dass es hier brennt? ist da schon alles weg im Hirn? - was denn hier los sei? Der Chef und seine drei Mitarbeiter schauen mich an, als sei ich jetzt aber nun wirklich der absolute Spielverderber. Was denn los sein soll, fragt der Chef-Handwerker zurück. Ich weise diffus in die Rauchschwaden - ach das, das sei die Aschedämmung, die teilweise unter den Dachpfannen und als Dachbodendämmung in der Decke beziehungsweise dem Boden des Spitzbodens gesteckt habe.

Sprichwörtliche Erfindungen

Aha, ich bin erst einmal erleichtert, was man mir offenbar auch ansieht, denn der Anflug von Schuldbewusstsein beim Handwerker, der sich kurz auf seinen kantigen Gesichtszügen abgebildet hatte, verschwindet wieder. "Übrigens die beste Dämmung überhaupt", verkündet er mir triumphierend, als habe er die Aschedämmung damals erfunden und hier hereingebracht. Ich brauche tatsächlich eine Minute, um mich zu fangen, erst dann realisiere ich, dass alles im Haus, ich betone ALLES, von einer feinen, dichten, manchmal auch recht dicken Ascheschicht bedeckt ist, vom Keller bis zum Dachboden, alles. Der Staub dürfte so fein sein, dass er auch in die Wohnungen eingedrungen ist. Haben die Handwerker etwas abgeklebt? Mitnichten, wozu auch. Sie müssen's ja nicht sauber machen. Ich fange langsam an, in Fahrt zu kommen und tobe los, taktisch klug zuerst wegen der unachtsam durchs Fenster geworfenen Bauteile. Ob seine Haftpflichtversicherung bei solch grober Fahrlässigkeit zahlen würde?!, schreie ich ihn an. "Und wer soll den ganzen Dreck bezahlen?!" Er verzieht sein Gesicht, nun definitiv schuldbewusst und zunehmend unterwürfig. Daran habe er nicht gedacht. Wegen der herabstürzenden Bauteile, da habe man aber nun schließlich einen Mann unten postiert, mehr könne man ja nun nicht machen, oder? Ich schaue hinaus und wie von Geisterhand steht da der fehlende fünfte Mann und schaut aufmerksam nach oben und zur Seite, damit nicht irgendwer getroffen würde unvermutet. Der Chef fährt fort, sich zu rechtfertigen, auf einer Baustelle gebe es nun mal Dreck. "Wo gehobelt wird, gibt es Späne", versucht er sich in sprichwörtlichen Redensarten, die deswegen nicht besser werden, nur weil sie Handwerker schon vor 400 Jahren erfunden haben, um Kunden zum Schweigen zu bringen.

Der vierte Handwerker 

In diesem Augenblick kommt der vierte Handwerker, der Bausanierer für die Stahlstützen. Leider kann ich deswegen nicht fortfahren, Gerechtigkeit einzufordern. Ich wende mich vom Dachgeschoss ab und dem neuen Handwerker und dem Keller zu.

Zur besseren Übersicht über die Handwerker und ihre Aktivitäten
  1. Der Fußleisten-Handwerker (der Einfachheit nun: H1) meldet sich nicht und wird auch nicht weiter von mir belästigt werden, beschließe ich gerade, bezahlen werde ich auch nichts, mal schauen, ob von ihm was kommt, ansonsten wird dieses Kapitel geschlossen und H1 kann vergessen werden.
  2. Der Klempner (H2): Heizungswartung erledigt, Tipps für weitere Handwerksarbeiten und Angebot für Abflussrohrerneuerung und Rückhalteventile abgegeben.
  3. Der Rausreißer-Handwerker (H3) riss gerade raus und produzierte eine Menge Dreck, glücklicherweise aber offenbar und bislang keine bleibenden Schäden.
  4. Der Bausanierer (H4) für die rostenden Stahlstützen war gerade eingetroffen.
Aber das war er immer noch nicht, der Montag. Und wir haben jetzt schon Dienstagnachmittag.

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